Posted on: 26 May 2015 By: TeamEuropages

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Auch heute noch, nach über 160 Jahren Firmengeschichte, werden Baumkuchen in der Bartningallee im Berliner Stadtteil Tiergarten nach altem Cottbusser Familienrezept gebacken.

Seit Mai 2015 leitet Konditormeisterin Andrea Tönges die älteste Konditorei Berlins in fünfter Generation und ist nach ihrer Mutter Ursula Kantelberg und deren Mutter Käthe Dielitz schon die dritte Frau ans der Spitze des Berliner Familienbetriebs.

Gegründet 1852 in Cottbus von Gustav I. Buchwald, dem Ur-ur-ur-Großonkel von Andrea Tönges, zog das kleine Unternehmen zu Ende des 19. Jahrhunderts nach Berlin. Die etwa 130 Kilometer entfernte Metropole verfügte bereits damals über eine solide Gasversorgung, die nicht nur der Beleuchtung von Gebäuden diente, sondern auch zum Kochen und Heizen. Das war für die Herstellung und das gute Gelingen der über offener Flamme gebackenen Hausspezialität Baumkuchen eine erhebliche Erleichterung. Die Qualität der Kuchen überzeugte sogar den preußischen König so sehr, dass er die Konditorei zum Hoflieferanten ernannte.

Auch im 21. Jahrhundert erfreut sich das Gebäck aus dem Hause Buchwald großer Beliebtheit. Davon zeugen sonntags die langen Warteschlangen an der Kuchentheke und auch die zahlreichen Bestellungen, bis aus Südafrika, den USA und Japan. Das Geschäft läuft bis zum heutigen Tage ganz ohne Werbung. „Die beste Werbung sind doch zufriedene Kunden, die uns weiterempfehlen“, erklärt Andrea Tönges diese Entscheidung.

Große Änderungen plant sie nicht, vielmehr legt sie Wert darauf, die Tradition zu wahren. Dazu gehören für sie langjährige, gut ausgebildete Mitarbeiter ebenso wie die Liebe zum Handwerk. Auch soll die Produktion klein und überschaubar bleiben.

Jede Baumkuchenwalze wird viele Male in die Baumkuchenmasse getaucht, bevor nach etwa einer Stunde der König der Kuchen fertig gebacken ist. Wie schon zu Zeiten ihrer männlichen Konditorvorfahren wird das Baumkuchensortiment durch zahlreiche Torten ergänzt. Neu im Café ist eine historische Baumkuchenstunde, bei der wissbegierige Gäste seit zwei Jahren alles über diese Backkunst und die Traditionskonditorei erfahren können, sowie ein kleines Frühstücksangebot seit Anfang 2015.

Das Erfolgsrezept ihres Familienbetriebes bezeichnet Andrea Tönges bescheiden als eine Kombination aus „Fleiß, Können und einem ganzen Haufen Glück“. Mit dem letzten Punkt hat sie hinsichtlich der Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sicher nicht ganz unrecht. So verlor Gustav II Buchwald 1929 am „Schwarzen Freitag“ das Haus, das bis dahin der Familie gehörte. Produziert wurde trotzdem weiter. Im Zweiten Weltkrieg mussten Konditorei und Café schließen, denn es durften nur noch Grundnahrungsmittel produziert werden und zudem zerstörte eine Fliegerbombe gegen Kriegsende das Gebäude, das bis zur zweiten Etage völlig ausbrannte. Die Back- und Caféräume im Erdgeschoss überstanden das Bombardement wie durch ein Wunder relativ unbeschadet, so dass 1952 das 100-jährige Firmenjubiläum gefeiert werden konnte, was nicht zuletzt der tatkräftigen Unterstützung des langjährigen Mitarbeiters Willi Pauli zu verdanken war. Er blieb dem Betrieb über 60 Jahre lang treu.

Inzwischen arbeiten in der Konditorei G. Buchwald insgesamt 15 Mitarbeiter, davon neben Andrea Tönges noch drei weitere Konditormeister. Auch der Sohn der frischgebackenen Chefin hilft mit. Er ist im Service tätig und möchte, ganz der Familientradition entsprechend, Konditormeister werden.


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